Dorothy Garrod (1892–1968)

Dorothy Garrod (1892–1968)

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Dorothy Garrod (1892–1968)
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Eine Archäologin erobert die Eliteuniversität Cambridge

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„Gentlemen, wir haben ein Problem“. Dies war der lakonische Kommentar des Vizekanzlers Dean, als er 1939 bekannt gab, dass Dorothy Garrod als erste Frau eine Professur an der renommierten Cambridge-Universität übernehmen würde.

Dean spielte auf ein formales Problem der Universität an, die nicht auf Frauen in gehobenen Positionen vorbereitet war: Weiblichen Universitätsmitarbeitern war nämlich die Vollmitgliedschaft an der Cambridge Universität verwehrt, als Professorin konnte Dorothy Garrod jedoch in den Senat gewählt werden. Da alle Senatsmitglieder per definitionem Vollmitglieder der Universität waren, ergab sich ein Paradoxon, das nur durch eine Reform aufgelöst werden konnte.

Die Frau, die den Weg zu dieser Neuordnung ebnete, entstammte selbst einer altehrwürdigen britischen Akademikerdynastie. Dorothy Garrod wurde am 5. Mai 1892 in Oxford als eines von vier Kindern von Sir Archibald Garrod geboren, einem Medizinprofessor in Oxford, der als Begründer der biochemischen Genetik gilt. Standesgemäß erhielt sie eine solide Ausbildung: Nachdem sie zunächst zu Hause unterrichtet worden war, besuchte Dorothy Garrod eine kleine Privatschule und studierte schließlich von 1913 bis 1916 an der Birklands School in Newnham Geschichte.

Die steinzeitlichen Tempel von Malta

Obschon Dorothy Garrod sich allgemein für Geschichte interessierte, hatte sich noch keine explizite Vorliebe für eine bestimmte Epoche herausgebildet. Dies sollte sich ändern, als sie nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zu ihren Eltern nach Malta reiste, wo diese den Ersten Weltkrieg verbracht hatten. Zu dieser Zeit wurden auf der kleinen Mittelmeerinsel, die damals noch zu Großbritannien gehörte, sensationelle archäologische Entdeckungen gemacht: Von 1916-1920 grub der maltesische Archäologe Themistocles Zammit die steinzeitliche Tempelanlage von Tarxien aus – ein Zeugnis der frühesten Monumentalarchitektur der Welt. Beim Besuch der Ausgrabungen sprang der Funke über. Dorothy Garrods Interesse an der Vorgeschichte der Menschheit war geweckt worden und sollte ein Leben lang andauern.

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Themistokles Zammit während der Ausgrabung des steinzeitlichen Tempels Tarxien auf Malta 1916 (National Museum of Archaeology, La Valetta, Malta)